Kleister

Kleister essen

Gaukler haben manchmal schon komische Ideen. Es gab einen so
genannten Mittelaltermarkt in Karlsruhe und wir sind da mal drüber
geschlendert. Da war ein Gaukler, der sich damit brüstete,
Tapetenkleister zu essen. Nun frage ich mich, was hat das Essen von
Tapetenkleister mit Mittelalter zu tun? Aber das war halt dessen
Kunststück. Eine extrem fette Frau, die aussah, wie ein hochkant
gestelltes dickes Weinfaß mit Kopf, rührte eine normale Packung
Tapetenkleister, wie man sie in jedem Baumarkt bekommt, in einer
riesengroßen Schüssel an. Nach kurzem Abwarten und Umrühren, bis
der Kleister seine normale Konsistenz erreicht hatte, nahm der
Gaukler einen großen Suppenlöffel und schlürfte damit etliche
Löffelladungen dieses Kleisters, wobei er einen Gesichtsausdruck
entwickelte, der glauben machen wollte, dass er damit ein wunderbar
köstliches Mahl zu sich nähme. Mit Sicherheit war ein Trick dabei,
aber ergründen konnte ich ihn nicht. Eine Frau, die neben mir stand,
und sich das Treiben angewidert ansah, meinte, dass es mit Sicherheit
kein echter Kleister wäre, sondern nur eine Art Pudding, dessen
Rohmasse man in den Kleisterkarton eingefüllt habe. Das schien mir
auch die plausibelste Erklärung zu sein. Daraufhin bot das fette Weib
des Gauklers dieser Frau ein kleines Pröbchen des Kleisters auf einem
kleinen Plastiklöffelchen an. Die Frau nippte kurz daran und meinte
dann, dass es fast nach nichts schmecken würde, mit einem Hauch
Kartoffelgeschmack. Sie zog es dennoch vor, keine größeren Mengen
davon zu essen, über das Nippen hinaus kam sie nicht. Auf dem
Mittelaltermarkt wurde vieles geboten, aber wenn man nach ungefähr
anderthalb Stunden diese Stände alle passiert hatte, dann kam man
doch eigentlich zu dem Schluß, dass es nur darum geht, den Leuten
das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man muss sich allen Ernstes
fragen, wie viele Leute denn wirklich so dumm sind, und sich
vormachen lassen, dass irgendwelche Tinkturen oder sonstige
fragwürdigen Produkte, die angeblich mit dem Hauch des Mittelalters
gebraut wurden, wie es zum Beispiel an einem Stand verkündet
wurde, gegen besondere Krankheiten helfen beziehungsweise vor
besonderen Krankheiten schützen. Das ist nur ein Beispiel für viele
dieser dort gebotenen Produkte. Eigentlich, ganz nüchtern betrachtet,
würde ich alle dort angebotenen Waren als völlig sinnlos bezeichnen,
wenn man mal von normalen Lebensmitteln und Imbißsachen absieht,
die natürlich auch zu hauf dort geboten wurden. Hunger und Durst
entwickeln sich immer bei Besuchern solcher Veranstaltungen, das ist
völlig klar und so ist es normal, dass man da Stände aufschlägt, die
entsprechendes anbieten, aber wer braucht schon wirklich eine
mittelalterliche Duftsalbe, die angeblich böse Geister fern halten soll,
Steine, die einem den Guten Geist der Gestirne ins Haus bringen oder
ähnliches Schwachsinnszeug? Nebenbei bemerkt, diese tolle Salbe,
die laut Marktschreier nach geheimen mittelalterlichen Rezepten in
den Karpaten hergestellt würde, kostete im kleinen Töpfchen 17,90
Euro und im größeren Töpfchen 32,90 Euro. Ich habe zu Kayla gleich
gesagt, das ist nur billige Vaseline, die etwas mit Parfüm vermischt
ist, mehr nicht. Plus Töpfchen vielleicht ein reiner Materialwert von
40 Cent, eher noch weniger. Hauptsache, es finden sich genug
esoterisch angehauchte Kälber, die solch einen Schwachsinn glauben
und den Mist für teures Geld kaufen. Die Anbieter von so was
kringeln sich anschließend vor Lachen über deren Dummheit, wenn
sie abends wieder zuhause sind und das Geld zählen.